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Pater Werenfried wurde 1913 im niederländischen Mijdrecht in der Nähe von Amsterdam geboren. Mit bürgerlichem Namen hieß er Philippus van Straaten, und eigentlich sollte er Lehrer werden - genauso wie sein Vater. Zwar war es der Wunsch seiner Eltern, einen Sohn zu haben, der Priester werden würde, jedoch waren die beiden anderen Söhne bereits in den Augustinerorden eingetreten. So sollte der dritte Sohn in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er selbst hätte eigentlich lieber Malerei studiert, aber er kam dem Wunsch des Vaters nach und studierte klassische Philologie. Schon während seines Studiums interessierte er sich jedoch stark für soziale Fragen, ja, er gründete sogar eine eigene Zeitung und eine politische Partei, die allerdings nicht lange bestand. Völlig überraschend trat er 1934 in die Prämonstratenserabtei Tongerlo in Belgien ein, dabei war er damals gerade sehr verliebt... Im Kloster wäre ihm allerdings seine schwache Gesundheit beinahe zum Verhängnis geworden. Ja, fast hätte er das Kloster wieder verlassen müssen, da ihm attestiert wurde, seine Konstitution werde es ihm nicht einmal erlauben, die normalen Tätigkeiten eines Priesters auszuüben! Aber Gott hatte andere Pläne mit ihm, und so blieb er zunächst als Sekretär des Abtes in der Abtei, bis die große Stunde schlug, in der der Name "Werenfried", der ihm als Ordensname verliehen wurde und der "Kämpfer für den Frieden" bedeutet, Programm werden sollte. Als der damals 34jährige holländische Prämonstratenserpater Werenfried van Straaten Weihnachten 1947 die belgische Bevölkerung zur Hilfe an den 14 Millionen heimatvertriebenen Deutschen, aufrief, konnte niemand ahnen, dass dies die Geburtsstunde eines Hilfswerkes sein sollte, das mittlerweile in fast 140 Ländern der Welt aktiv ist. Die Zeichen standen damals denkbar schlecht: Europa lag in Trümmern, unzählige Belgier trauerten noch um ihre von den Deutschen getöteten Angehörigen, die Wunden des Krieges waren noch längst nicht verheilt... Aber das Elend der notleidenden deutschen Bevölkerung, vor allem der Heimatvertriebenen, hatte Pater Werenfried so sehr bewegt, dass er nicht schweigen konnte, sondern laut und vernehmlich die Stimme erheben musste. Und das Unglaubliche geschah: Sein Appell rief in der belgischen und später auch in der holländischen Bevölkerung eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft hervor! Seit 1948 arbeitete Pater Werenfried mit Prälat Kindermann, dem Leiter des "Vaterhauses für die Vertriebenen" und des Priesterseminars in Königstein (Deutschland) in der Nähe von Frankfurt/Main. Von Königstein aus betreibt der Pater die Motorisierung der vielen "Rucksackpriester", die in der Vertriebenenseelsorge tätig sind. Bereits 1950 konnten von Königstein aus die ersten Kapellenwagen zu den versprengt lebenden vertriebenen Katholiken in die Diaspora fahren. 1959 bereist Pater Werenfried die Flüchtlingsgebiete in Asien und trifft Mutter Teresa im "Haus der Sterbenden" in Kalkutta. Am 30. März 1991 kehrt Kardinal Lubachivskyj, das geistliche Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, aus dem Exil in die Heimat zurück. Pater Werenfried begleitet ihn und verspricht vor Hunderttausenden Gläubigen, ihm dabei zu helfen, das kirchliche Leben in der Ukraine wieder aufzubauen. Sein ganzes Leben lang war die Hilfe für die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche ein besonderes Anliegen für Pater Werenfried. Diese Kirche ist seit 1596 mit Rom uniert, feiert die Liturgie jedoch nach östlichem Ritus. 1946 wurde sie durch eine Scheinsynode von den Kommunisten faktisch aufgelöst und hörte somit offiziell auf zu existieren. Bis zum Sturz des Kommunismus hatten die Gläubigen harte Strafen zu erleiden, und Pater Werenfried half den ukrainischen Katholiken, ihre Kirche im Untergrund am Leben zu erhalten. Seine Reise nach Lviv (Lemberg) bezeichnete er als „einen der glücklichsten Tage seines Lebens“. Nach dem Sturz des Kommunismus ergaben sich für Pater Werenfried neue Dimensionen seiner Versöhnungsaufgabe. Für ihn beginnt ein neuer Abschnitt in der Beziehung zwischen der westlichen lateinischen Kirche und der östlichen orthodoxen Schwesterkirche. Und so ruft er schon 1992 zur Versöhnung der gespaltenen Christenheit auf, und fordert von den Katholiken Hilfe für die orthodoxe Schwesterkirche. So wie er nach dem Krieg zur Liebe zu den "Feinden von gestern" aufgerufen hatte, so predigt er jetzt die Bemühung um die Überwindung der seit 1054 n. Chr. bestehenden Kirchenspaltung zwischen Ost und West. Er trifft Patriarch Alexej II. von Moskau und vereinbart gezielte Hilfsmaßnahmen zugunsten der Russisch-Orthodoxen Kirche. Unter anderem werden nach dem Modell der Kapellenwagen nun Kapellenschiffe für orthodoxe Christen finanziert. Diese Kapellenschiffe erreichen an Don und Wolga orthodoxe Christen, die in ihren weit abgelegenen Orten über keine Kirchen verfügen. 2003 Am 17. Januar feiert Pater Werenfried mit mehr als 500 Mitarbeitern, Freunden und Wohltätern seinen 90. Geburtstag mit einem feierlichen Gottesdienst im Dom zu Limburg und einem anschließendem Empfang in der Stadthalle. Der Limburger Bischof Dr. Franz Kamphaus hält die Festpredigt und verweist darauf, dass "Religion auch heute noch spannend ist". Das Leben und das Werk Pater Werenfrieds seien der beste Beweis dafür. Nach kurzer schwerer Krankheit stirbt Pater Werenfried am 31. Januar 2003 in Bad Soden (Ts.). Das Requiem wird wieder im Dom zu Limburg gefeiert. Zelebrant und Prediger ist diesmal der Präfekt der römischen Kleruskongregation, Kardinal Darío Castrillón Hoyos (s. Foto), zusammen mit Kardinal Meisner aus Köln, dem Diözesanbischof Dr. Franz Kamphaus und zahlreichen anderen Bischöfen sowie Priestern aus aller Welt. Als Zeichen der Auferstehung und persönlichen Verbundenheit mit dem Papst steht neben dem Sarg jene Osterkerze aus der Privatkapelle Johannes Paul II., die dieser ihm noch am 27. April des Vorjahres selbst überreicht hatte. Die Beerdigung des Gründers von Kirche in Not/Ostpriesterhilfe findet am 7. Februar 2003 unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit in Königstein statt.
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