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| Warum wird Pater Werenfried „Speckpater“ genannt?
Es hat Pater Werenfried immer amüsiert, darauf hinzuweisen, dass dieser Spitzname nichts mit seiner Leibesfülle zu tun hatte. Dieser Name kommt daher, dass er zu Beginn seiner Hilfsaktion für die deutschen Heimatvertriebenen bei der ländlichen Bevölkerung um Speck bat, da die Bauern eher über Lebensmittel als über Geld verfügten. Abend für Abend kamen Pater Werenfried und seine Helfer mit vier- oder fünfhundert Kilogramm Speck und einem Hut voll Geld heim. Ganze Lastwagenladungen von Speck wurden vor den erstaunten Augen der Besucher der Abtei ausgeladen. Dies war der Beginn der „großen Speckschlacht“, die Pater Werenfried seinen neuen Namen einbrachte. Hat er nur Speck gesammelt? Oder wie gingen seine Hilfsaktionen weiter? Als Pater Werenfried erkannte, dass die Heimatvertriebenen nicht nur unter ihrer materiellen Not und dem Verlust der Heimat zu leiden hatten, sondern sich auch in geistlich-spiritueller Hinsicht in Not befanden, weitete er seine Hilfsaktion aus: Als erstes startete er 1949 die Aktion "Ein Fahrzeug für Gott", um die heimatvertriebenen Priester in der Diaspora mit Autos und Motorrädern auszustatten. Diese sogenannten "Rucksackpriester" hatten Katholiken in zahlreichen Dörfern zu betreuen und somit weite Strecken zu Fuß zurückzulegen. Viele von ihnen waren diesen Strapazen nicht gewachsen und starben, und so blieben viele Katholiken ohne Seelsorger. Die Motorisierungsaktion erleichterte ihre Situation beträchtlich. Wie Pater Werenfried an die Autos gekommen ist? Er mobilisierte flämische Studenten und Jugendorganisationen und bat sie darum, das Geld für 100 Volkswagen zusammenzubekommen. In Wirklichkeit hoffte er, das Geld werde für 60 Autos reichen, aber er hatte die Erfahrung gemacht, dass es immer besser sei, um mehr zu bitten, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Und was geschah? Die jungen Leute sammelten Geld für 140 Volkswagen und übertrafen somit Pater Werenfrieds kühnste Hoffnungen! Ein Jahr später hatte Pater Werenfried eine weitere Idee: Da es in den größtenteils evangelischen Gebieten, in denen katholische Heimatvertriebene untergekommen waren, keine katholischen Kirchen gab, ließ er gebrauchte Busse und Lastwagen zu fahrbaren Kirchen, zu "Kapellenwagen", wie sie genannt wurden, umbauen. An der Seite ließen sie sich aufklappen und gaben den Altarraum frei. So konnte die Kirche endlich auch zu den Menschen kommen, die keine Kirche hatten! Damals machten sich 35 fahrbare Kirchen auf den Weg in die Diaspora.
Was ist passiert, als er der kleinen Hedwig begegnete? Die Begegnung mit einem in einer Baracke lebenden Flüchtlingskind wurde für Pater Werenfried zu einem Schlüsselerlebnis. Er wollte der kleinen Hedwig - so hieß das Mädchen - ein Heiligenbild schenken, das sie an die Wand hängen sollte. Als das Kind antwortete: "Wir haben keine Wand, Herr Pater", wusste er, dass er etwas tun musste. Die Familie ist die Keimzelle der religiösen Erziehung und der christlichen Gesellschaft, aber wie sollte in diesen Elendsquartieren, in denen zahlreiche fremde Menschen ohne auch nur die geringste Rückzugsmöglichkeit und ohne ein Minimum an Intimsphäre zusammengepfercht waren, ein gesundes Familienleben möglich sein? Pater Werenfried hatte eine Idee: Er trommelte eine Schar Studenten zusammen, die Häuser für Flüchtlingsfamilien und Kirchen für die Diaspora erbauen sollten. Zahlreiche weitere Helfer schlossen sich ihnen an, und daraus entstand 1952 der Internationale Bauorden. Was ist das Geheimnis seines berühmten „Millionenhutes“? Mit der Zeit weitete sich Pater Werenfrieds Predigttätigkeit auf mehrere Länder aus, auch auf Deutschland, und gerade die Deutschen gaben mit vollen Herzen und Händen zurück, was er ihnen kurz nach dem Krieg an Gutem getan hatte. Fast ebenso berühmt wie er selbst ist dabei sein Millionenhut geworden, den er sich von seinem Abt „geliehen“ hatte, ohne ihn je wieder zurückzugeben, und der gewissermaßen zu seinem Markenzeichen wurde. Mit diesem schlichten, schwarzen Hut hat er fast 60 Jahre lang gebettelt. Kein Wunder, dass der Hut mit der Zeit Löcher bekam, denn immer wieder wurde er nicht nur randvoll mit Geld, sondern auch mit Schmuck und anderen Wertgegenständen gefüllt. Manche Leute schenkten nach Pater Werenfrieds Predigten sogar ihre Eheringe her, und viele Leute waren von seinen Worten so entflammt, dass sie weitaus mehr gaben, als sie sich eigentlich leisten konnten. Es ist ein Phänomen, dass sie dabei dennoch so glücklich waren, als hätten sie selbst etwas geschenkt bekommen. Sogar Autoschlüssel landeten im Hut - das jeweils dazu passende Auto wartete an der Straße auf einen neuen Besitzer. Übrigens war Pater Werenfried über die Löcher in seinem Hut gar nicht traurig, denn so konnte er darauf hinweisen, dass die Münzen durchfallen würden und es also besser sei, Scheine zu geben! Anfang der 50er Jahre gründete Pater Werenfried das "Echo der Liebe", eine Abonnement-Zeitschrift für Wohltäter. Übrigens: Er hat nie von "Spendern" gesprochen, sondern immer von "Wohltätern". Ab 1958 gab er in Form eines Informationsbriefes, der kostenlos an die Wohltäter versandt wurde, das "Echo der Liebe" heraus; dieses diente als weiteres Kommunikationsmittel neben den Predigten, von denen Pater Werenfried in seiner besten Zeit bis zu 90 im Monat hielt. Heute erscheint das "Echo der Liebe" in einer Auflage von ca. 700 000 Exemplaren achtmal im Jahr in sieben Sprachen - seit diesem Jahr, nebenbei bemerkt, auch auf polnisch. Es ist die Haupteinnahmequelle des Werkes geworden. Pater Werenfried ging es jedoch nicht in erster Linie um die Spenden, sondern es ging ihm darum, Liebe in den Herzen der Menschen zu erwecken und sie dazu zu mobilisieren, über sich selbst hinauszuwachsen. Er sah sich dabei auch als Seelsorger der Wohltäter. Er nannte sein Werk eine "Schule der Liebe", und so ist es nicht nur ein Hilfswerk, sondern es ist auch gewissermaßen eine Gemeinschaft von Menschen guten Willens, die nicht nur durch den Wunsch, den Armen zu helfen, verbunden sind, sondern auch durch das Gebet. Pater Werenfried selbst hat immer auch in den Anliegen seiner Wohltäter gebetet, und zugleich hat er die Wohltäter dazu aufgefordert, für die Anliegen der Kirche in Not zu beten. Die Geschichte von Vinkt (Belgien) ist berühmt geworden. Was ist dort geschehen? Pater Werenfried glaubte zutiefst daran, dass der Mensch besser ist, als wir denken, und dass auch Gott besser ist, als wir es normalerweise annehmen. Er wusste auch, dass Menschen bereit dazu sind, sich zu wahrem Heldenmut in der Nächstenliebe aufzuschwingen, wenn sie verstehen, dass Opfer um der Liebe willen notwendig sind. So hat er es gewagt, die Bewohner des belgischen Städtchens Vinkt, wo deutsche Soldaten 1944 ein unvorstellbares Massaker angerichtet und die gesamte männliche Bevölkerung mitsamt Knaben und Greisen erschossen hatten, zur Versöhnung aufzurufen. Als die Leute hörten, ein Pater wolle kommen und um Hilfe für die Deutschen bitten, war die Empörung groß... Nur die Ehrfurcht vor dem Ordenskleid hinderte sie daran, ihn zusammenzuschlagen! Aber Pater Werenfrieds Predigt verfehlte ihre Wirkung nicht: Gleich nach der Messe, als die Kirche schon leer war, kam eine Frau schüchtern zu Pater Werenfried und drückte ihm 1.000 Franken in die Hand. Sie verschwand rasch wieder, ohne etwas zu sagen, aber der Pfarrer hatte sie erkannt und erzählte, die Deutschen hätten ihren Mann, ihren Sohn und ihren Bruder erschossen. Und im Laufe des Tages - hauptsächlich im Schutze der Dunkelheit -, kam ein Dorfbewohner nach dem anderen, um ebenfalls etwas zu dieser Hilfsaktion beizusteuern. Die Leute brachten Geld, Lebensmittel und Kleidung, sie überwiesen Spenden auf das Postscheckkonto der "Ostpriesterhilfe", ja, sie übernahmen sogar eine Patenschaft für einen heimatvertriebenen deutschen Priester! Wie und warum hat Pater Werenfried seine Hilfsaktionen auf Osteuropa ausgedehnt? Die Probleme der Heimatvertriebenen gingen im Laufe weniger Jahre ihrer Lösung entgegen, aber wer nun geglaubt hätte, Pater Werenfried würde seinen Hut wieder auf den Kopf setzen, anstatt damit zu betteln, und seine Stimme nur noch für das Singen im Chor verwenden, irrte sich gewaltig. Ganz im Gegenteil: Nun weitete er sein Werk, das damals noch "Ostpriesterhilfe" hieß - heute "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe" - zu einer "Internationale der Liebe" aus und nahm Ost- und Ostmitteleuropa, die Länder hinter dem Eisernen Vorhang, ins Visier. Als 1956 der Ungarische Aufstand ausbrach, fuhr Pater Werenfried mit einem Konvoi mit Hilfslieferungen nach Ungarn. Die Reise war sehr gefährlich, denn die Lage stand kurz vor der Eskalation, und Pater Werenfried hatte nicht einmal einen gültigen Pass, von einem Visum ganz zu schweigen... Aber er passierte die Grenze ungehindert und war einer der ersten, die Kardinal Mindszenty, den Primas von Ungarn, der von den Kommunisten inhaftiert und auf grausame Weise gefoltert worden war, nach seiner Freilassung trafen. Natürlich sagte Pater Werenfried dem Kardinal jede nur erdenkliche Hilfe zu. Auf der Rückreise war es übrigens ein Wunder, dass Pater Werenfried und seine Helfer überhaupt noch aus Ungarn herauskamen, denn fünf Minuten nach dem Passieren der Grenze wurde sie von den sowjetischen Truppen, die den Aufstand blutig niederschlugen, geschlossen... Die Tätigkeit der "Ostpriesterhilfe" weitete sich mit der Zeit auf ganz Ost- und Ostmitteleuropa aus. Es wurde jede nur denkbare Hilfe geleistet - vom Verschicken von Paketen an Bedürftige (es waren Millionen Pakete, die verschickt wurden) bis hin zu Bauhilfe an Kirchen, Klöstern und Seminaren, der Unterstützung der Priesterausbildung, vom Einrichten von Druckereien für katholische Publikationen und der Hilfe für Flüchtlinge, die vor allem aus Ungarn in den Westen kamen. Dabei wurden beispielsweise auch Stipendien für Studenten, besonders für angehende Priester, erteilt. Unzähligen Menschen konnte so geholfen werden.
Warum heißt das Werk „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“?
Innerhalb kurzer Zeit hatte sich das Werk über die ganze Welt ausgedehnt. Der Name war damals noch immer "Ostpriesterhilfe". In Italien - von 1964 bis 1975 hatte unser Werk seine Zentrale in Rom - hießen wir "Aiuto alla Chiesa Perseguitata" - "Hilfe für die verfolgte Kirche". Eines Tages wurde Pater Werenfried jedoch ins Staatssekretariat des Vatikan gebeten. Ein freundlicher Monsignore bat ihn, den Namen unseres Werkes zu ändern, da Tito, der Staatschef von Jugoslawien, sich darüber beschwert hatte. Tito behauptete nämlich, dass in seinem Land die Kirche nicht verfolgt werde, und deshalb könne es nicht angehen, dass eine Organisation mit einem solchen Namen dort offiziell oder inoffiziell tätig sei. Pater Werenfried lehnte sofort ab. Bis der Monsignore ihm einen Brief von Tito zeigte, auf dem der Papst handschriftlich am Rand vermerkt hatte "Werenfried bitten, den Namen seines Werkes zu ändern".
Kann man Pater Werenfried als einen Wegbereiter der Europäischen Union ansehen? Pater Werenfried hatte verstanden, dass es in Europa nie Frieden und Versöhnung geben könne, wenn der Hass in den Herzen der Menschen nicht besiegt würde. Er war überzeugt davon, dass es zu einer furchtbaren gesamteuropäischen Katastrophe kommen würde, wenn es nicht gelänge, eine Versöhnung zwischen den ehemaligen Feinden herbeizuführen und die Not der Menschen zu lindern. Otto von Habsburg hat Pater Werenfried als den "Baumeister eines einigen und christlichen Europas" bezeichnet, und Romano Prodi nannte ihn einen "Apostel des Friedens" in Europa. Und in der Tat ist es ihm gelungen, dort Versöhnung zu stiften, wo es nahezu aussichtslos zu sein schien. So kann man ihn mit vollem Recht als einen Wegbereiter für die Europäische Einigung bezeichnen. Warum nannten seine Gegner ihn den „letzten General des Kalten Krieges“? Dafür, dass Pater Werenfried die Greuel der kommunistischen Regime laut anprangerte, erntete er viel Kritik, passte dies doch so gar nicht in den Traum von der friedlichen Koexistenz von Kirche und Kommunismus, den viele im Westen träumten. Aber Pater Werenfried glaubte nicht an die Scheinkonzessionen, die die Kommunisten bisweilen machten, um den Westen zu täuschen. Er kannte die Greuel nur allzu genau und wusste, dass der Kommunismus niemals seinen Kampf gegen die Religion aufgeben würde. Pater Werenfried kannte viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, die um ihres Glaubens willen Unsagbares erleiden mussten und die ihn immer wieder anflehten, die Wahrheit im Westen bekannt zu machen. Und das hat er auch getan, auch wenn er deshalb von seinen Gegnern als "letzter General des Kalten Krieges" beschimpft wurde. Er wusste, dass das Blut der Märtyrer der Same der Kirche ist, wie es bereits Tertullian schrieb, und so hat er alles dafür getan, dass die Menschen, die um ihres Glaubens willen gefoltert und ermordet wurden oder unter schweren Strafen und Repressalien zu leiden hatten, nicht auch noch hier im Westen als Störer der friedlichen Koexistenz von Kommunismus und Kirche verleumdet wurden. Pater Werenfried hat sich nie gescheut, Dinge beim Namen zu nennen und laut und vernehmlich seine Stimme zu erheben. Aber er hat auch immer wieder betont, dass es ihm nicht darum ginge, den Kommunismus zu bekämpfen, sondern den Opfern beizustehen. Schließlich war er Priester, kein Politiker oder Aktivist. Und so rief er die Menschen immer wieder dazu auf, auch für die Täter zu beten, für die Mitglieder der Politbüros, für die Generäle und die Folterknechte. Ja, die Bekehrung der Täter war sein brennender Wunsch. Ist Pater Werenfried Mutter Teresa begegnet? Ja, Pater Werenfried kannte Mutter Teresa gut, und er war es auch, der sie in Europa bekannt machte. 1956 hatte er sie auf seiner Reise nach Indien kennen gelernt und war von dieser Begegnung zutiefst beeindruckt. Er besuchte sie in dem Sterbehaus, das sie in Kalkutta gegründet hatte, ging mit ihr von Bahre zu Bahre und segnete einen Kranken nach dem anderen. Ja, ein kleines Baby, das er soeben getauft hatte, starb sogar in seinen Armen. Seit dieser Zeit war er mit Mutter Teresa eng verbunden und unterstützte sie sehr, und auch Mutter Teresa war von Pater Werenfried beeindruckt Kannte er Papst Johannes Paul II. persönlich? Mit Papst Johannes Paul II. verband Pater Werenfried eine jahrzehntelange Freundschaft, die bereits auf die Zeit zurückgeht, als Karol Wojtyla noch Erzbischof von Krakau war. Das Werk "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe" hat bis heute unter fünf Päpsten bestanden, und die Treue zu Rom gehört zu dem Fundament unserer Tätigkeit. Unser Werk ist 1984 zu einer öffentlichen, universellen, vom Hl. Stuhl abhängigen Vereinigung erhoben worden und erhielt somit einen offiziellen Auftrag für die Weltkirche. Schon von Anfang an ist das Wirken Pater Werenfrieds jedoch von den Päpsten unterstützt, gewünscht und begrüßt worden, und es war für Pater Werenfried selbstverständlich, nichts zu tun, was nicht im Einklang mit Rom stand. Warum hat Pater Werenfried in Afrika eine neue Kongregation gegründet? 1966 begegnete Pater Werenfried in Zaire Mutter Hadewych, einer belgischen Ordensfrau, die ihr gesamtes Ordensleben in Afrika verbracht hatte. Von ihr erfuhr er, dass der Kirche in Afrika zahlreiche Ordensberufungen verlorengehen, weil Frauen, die weder lesen noch schreiben können, von den etablierten Ordensgemeinschaften nicht aufgenommen werden. Pater Werenfried verstand jedoch, dass gerade diese Frauen aufgrund ihrer Nähe zum Volk dazu prädestiniert sind, ihren Mitmenschen in Afrika zu dienen. Sie kennen die Sitten, Gebräuche und Probleme der einfachen Bevölkerung, sind mit den Urwäldern vertraut und verfügen über wichtige praktische Fähigkeiten. Diese wertvollen Ressourcen sollten der Kirche in Afrika nicht verlorengehen, und so gründete Pater Werenfried zusammen mit Mutter Hadewych eine neue Kongregation, die "Töchter der Auferstehung", die mittlerweile mehr als 200 Mitglieder hat und in mehreren Ländern Afrikas aktiv ist. Die Schwestern erhalten eine medizinische Grundausbildung und erlernen außer dem Lesen und Schreiben auch verschiedene Handarbeiten. Dieses Projekt stellte eine vollkommene Innovation dar, und auch hier wurde Pater Werenfried der Bedeutung seines Namens - also "Kämpfer für den Frieden" - gerecht, denn in den Klöstern leben Schwestern zusammen, die teilweise aus miteinander verfeindeten Volksgruppen stammen. Pater Werenfried bereiste unzählige Länder in aller Welt. War das nicht bisweilen auch gefährlich? Natürlich hat Pater Werenfried auf seinen zahlreichen Reisen durch die Welt auch viele Abenteuer erlebt. Z.B. wurde er auf einer Reise nach Afrika direkt bei seiner Einreise am Flughafen von schwerbewaffneten Militärs verhaftet, obwohl er ein gültiges Visum hatte und mit dem Nuntius verabredet war. Nachdem die Soldaten ihn gewaltsam ins Flugzeug zurückschaffen wollten, wogegen er sich allerdings erfolgreich wehrte, hielten sie ihn stundenlang am Flughafen gefangen, verfrachteten ihn schließlich in ein Auto und fuhren mit unbekanntem Ziel ab. Die Lage war sehr gefährlich und hätte leicht tödlich enden können. Als Pater Werenfried jedoch schließlich in ein Hotelzimmer gesperrt wurde, gelang ihm die Flucht zur Nuntiatur. Einmal wäre er auch beinahe mit dem kleinen Missionsflugzeug abgestürzt, mit dem er unterwegs war. Es herrschte dichter Nebel, das Radar war ausgefallen, und die Maschine irrte zwischen Bergen herum und hätte leicht zerschellen können. Einmal sauste das Flugzeug 20 Meter an einem Abhang vorbei! Pater Werenfried sah schon den Tod vor sich, betete den Rosenkranz und versprach der Mutter Gottes, ihr sein Werk zu weihen, wenn sie helfen würde. Und auf einmal riss die dichte Wolkendecke entzwei, und das Flugzeug fand den Landeplatz am Kivu-See. Das Benzin im Tank hätte gerade noch für zehn Minuten gereicht! Aber vor allem begegnete Pater Werenfried auf seinen Reisen unzähligen Menschen. Er besuchte die Armen in ihren Elendsquartieren, spielte mit ihren Kindern, feierte mit ihnen die Messe und lernte ihre Probleme, aber auch ihre Freuden, hautnah kennen. Diese Menschen wurden zu seinen Freunden, und er half ihnen nicht von Ferne oder gar von oben herab und betrachtete ihre Armut nicht theoretisch, soziologisch, statistisch, sondern war ihnen nahe. Für ihn hatten sie ein Gesicht und einen Namen. Warum wollte Pater Werenfried eine Kinderbibel herausgeben? 1979, im "Internationalen Jahr des Kindes", ist die Kinderbibel "Gott spricht zu seinen Kindern" erschienen, die mittlerweile in 142 Sprachen übersetzt ist und deren Auflage über 40 Mio. Exemplare beträgt. Pater Werenfried wollte auch den ärmsten Kindern, die sich keine Bücher leisten können, eine eigene Bibel schenken, damit, wie er sagte, "das Bild Christi in ihren Herzen lebendig werden" könne. Das war ihm ein großes Anliegen, und dieses Projekt gehört bei den Wohltätern zu den beliebtesten Projekten von "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe". War Pater Werenfrieds Mission in Osteuropa nach der politischen Wende beendet? Nein, die Mission war keineswegs beendet! Nach der politischen Wende in Osteuropa wurde Pater Werenfried in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks begeistert willkommen geheißen und konnte in Russland und Jugoslawien sogar unzensiert im staatlichen Fernsehen auftreten, was bis dato unvorstellbar gewesen wäre. Undenkbar wäre es auch gewesen, dass er eines Tages öffentlich und ungehindert auf dem Roten Platz, dem Zentrum des Weltkommunismus, bei einer Wachablösung vor dem Lenin-Mausoleum den Rosenkranz würde beten können, wie er es 1992 tat. Es kommt einem wie ein Wunder vor, dass so etwas auf einmal möglich wurde! Als er zu kommunistischen Zeiten Osteuropa bereiste, war es für ihn lebensgefährlich, und er musste sich eines falschen Passes und einer Verkleidung bedienen... Nach dem Sturz des Kommunismus wurde es leichter, den mittellosen Kirchen in Osteuropa bei dem Aufbau von Seelsorge und Evangelisierung zu helfen, und diese Hilfe hatte für Pater Werenfried Priorität. Ein Projekt, durch das sehr viele Menschen erreicht wurden, war die Einrichtung eines christlichen Radiosenders in Moskau. Das war jedoch zunächst gar nicht so einfach, denn das Kommunikationsministerium verweigerte anfänglich die Lizenz. Als jedoch in der Nacht zum 19. August 1991 der Putsch der Stalinisten begann, waren alle Radiosender des Landes in der Hand der Putschisten. Boris Jelzin versuchte, auf einem Panzer stehend- ohne Lautsprecher! - zum Volk zu sprechen, aber vergebens... Er brauchte einen Radiosender! Und er bekam den Sender. Jelzin konnte das Volk mit Hilfe des für das christliche Programm vorgesehenen Radiosenders, der in einem LKW ins Parlamentsgebäude geschmuggelt wurde, erreichen, und so kam es zum Scheitern des Putsches. Keine Frage, dass der Ministerpräsident zum Dank sofort die Sendeerlaubnis erteilte! Und die Russen nahmen das religiöse Radioprogramm mit Begeisterung an. Wollte Pater Werenfried nur der katholischen Kirche in Russland helfen? Pater Werenfried beschränkte sich nicht allein darauf, der katholischen Kirche in Russland zu helfen, sondern er wollte auch der Russisch-Orthodoxen Schwesterkirche tatkräftig zur Seite stehen. Auf seiner Russlandreise 1992 traf er Patriarch Alexej II. von Moskau, mit dem er gezielte Hilfsmaßnahmen für die orthodoxe Kirche vereinbarte. So wurden damals nach dem Modell der Kapellenwagen zwei Kapellenschiffe - mittlerweile sind es drei - gebaut, die an Wolga und Don orthodoxe Christen erreichen, die in Dörfern leben, in denen es keine Kirchen gibt. Pater Werenfried hat es einmal als "die letzte und größte Freude seines Lebens" bezeichnet, sich für die Versöhnung zwischen westlichen und östlichen Christen einsetzen zu dürfen. Dieses Engagement entsprach übrigens vollkommen dem Wunsch des Heiligen Vaters. Pater Werenfrieds Gottvertrauen ist legendär geworden. Was hat er erlebt? Pater Werenfried hat nicht nur zutiefst daran geglaubt, dass das Evangelium stimmt, sondern er hat es auch immer wieder erfahren. Sein Gottvertrauen ist legendär geworden, und er ließ sich nie von dem leiten, was getan werden konnte, sondern von dem, was getan werden musste, denn Jesus hat gesagt: "Bittet, und es wird euch gegeben". Pater Werenfried hat bisweilen seine Umgebung mit seinen kühnen Versprechungen in Angst und Schrecken versetzt, denn oft hat er hohe Summen zugesagt, bevor er sie hatte. Aber nie ist er enttäuscht worden, und nie konnte er auch nur eines dieser Versprechen nicht einhalten. Es gibt dazu zahlreiche schöne Geschichten. Eine davon möchte ich Ihnen heute erzählen. Vor vielen Jahren arbeitete bei uns Pater Hugo, der ein sehr sorgfältiger Mensch und ein guter Buchhalter war. Eines Tages sagte er: "Ich verlasse euch!" Pater Werenfried fragte ganz erstaunt: "Warum?", und er antwortete: "Weil wir die Versprechen, die Sie für dieses Jahr gegeben haben, unmöglich einhalten können und Sie übertreiben!" Pater Werenfried sagte: "Aber das Jahr ist doch noch nicht zu Ende!" Darauf Pater Hugo: "Ich habe alles ganz genau kalkuliert und habe für Dezember schon den doppelten Betrag angesetzt, aber auch dann reicht es nicht!" Er wurde schließlich überredet, doch noch ein bisschen abzuwarten, ob es nicht doch klappen würde - Pater Werenfried versprach ihm, dass die ganze Summe eingehen werde. Eines Tages, als Pater Werenfried auf einer Vortragsreise war, rief ihn überraschend Pater Hugo an - normalerweise tat er das nicht. Er verkündete voller Freude, ein Wohltäter habe eine hohe Summe gespendet. Pater Werenfried fragte, ob das Geld reichen würde, und Pater Hugo antwortete, es würden noch 40.000 Dollar fehlen, aber er sei nun überzeugt und würde bleiben. Aber Pater Werenfried sagte: "O nein, wir haben schließlich die ganze Summe versprochen, also muss es auch die ganze Summe sein!" Kurze Zeit darauf ging im Sekretariat ein Paket ein, das mit der Post gekommen war. Die Sekretärin dachte, es seien Bücher darin. Aber darin befanden sich Banknoten im Wert von exakt den 40.000 Dollar, die fehlten, um das Budget auszugleichen. So blieb Pater Hugo bei uns, bis er in den Ruhestand ging. Ähnliches haben wir sehr oft erlebt, und für Pater Werenfried war das selbstverständlich. Er hat immer wieder betont, dass man in seinem Vertrauen auf Gott nie zu weit gehen könne. Das war die wichtigste Botschaft seines Lebens.
Was hat die Botschaft von Fatima für Pater Werenfried für eine Bedeutung gehabt? Die Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima ist ein roter Faden, der sich durch das ganze Leben Pater Werenfrieds zieht. 1917 erschien die Mutter Gottes in dem kleinen portugiesischen Ort Fatima sechsmal hintereinander - jeweils am 13. eines Monats - drei Hirtenkindern und vertraute ihnen ihre Botschaft an. Sie kündigte ihnen das Ende des Krieges an - damals wütete der erste Weltkrieg - und forderte die Menschheit dazu auf, täglich insbesondere für die Bekehrung Russlands den Rosenkranz zu beten und von dem Irrweg abzukehren, den die Menschheit eingeschlagen hat. Pater Werenfried hörte zum ersten Mal 1942 als junger Priester von dieser Botschaft und folgte dem Ruf der Mutter Gottes "Helft mir meine Kinder zu retten!" bedingungslos. Sein Wirken ist eng mit der Fatima-Botschaft verbunden, und insbesondere sein Einsatz für den Sieg des Glaubens über den Kommunismus war davon motiviert, dass er dem Ruf der Mutter Gottes gefolgt ist. Die kommunistische Oktoberrevolution und ihre Nachwirkungen waren in ihrem tiefsten Wesen ein Totalaufstand gegen Gott, und das Heilmittel gegen diesen Aufstand zeigte Maria in Fatima.
Hat Pater Werenfried auch die Kirche im Westen für eine Kirche in Not gehalten? Pater Werenfried hat bei allem Einsatz für Osteuropa und die Dritte Welt nicht übersehen, dass auch bei uns im Westen die Kirche in Not ist. Der Abfall von Rom, der fortschreitende Sittenverfall, der millionenfache Mord am ungeborenen Leben, das weitgehende Verschwinden der christlichen Erziehung, der immer weiter verbreitete religiöse Analphabetismus - alles das hat Pater Werenfried als schwere Bedrohung für das Gottesreich erkannt. So hat er sich auch unermüdlich für die Reevangelisierung des Westens eingesetzt, und er war, obwohl er für seine Hilfsaktionen das Geld seiner Wohltäter dringend benötigte, mehr Priester als Bettler. Ein besonderes Anliegen waren ihm die christlichen Medien. Was für ein Mensch war Pater Werenfried?
Pater Werenfried war ein kreativer und weitblickender Mensch, der Probleme erkannte und für sie phantasievolle Lösungen fand, die oft ebenso originell und innovativ wie effektiv waren. Er war zugleich gottverbunden und erdverbunden, und er kannte und liebte die Menschen. Er hatte keine Berührungsängste und ist auf jeden Menschen ganz direkt und mit offenen Armen zugegangen, auch auf Menschen, die der Kirche ferner standen oder deren Lebensweg nicht gerade verlaufen war. Er hat die Sünde verdammt, aber die Sünder nicht verurteilt, sondern für jeden war Platz in seinem Herzen. Es ist erstaunlich, dass gerade Kinder zu diesem so großen, starken Mann tiefes Zutrauen hatten. Vielleicht ist Pater Werenfried irgendwo in seinem Herzen selbst ein Kind geblieben... Jung war er jedenfalls bis zu seinem Tod, und er sagte mit achtzig, er fühle sich "nicht achtzig Jahre alt, sondern viermal zwanzig Jahre jung". Pater Werenfried liebte das Leben. Er hat es fertiggebracht, das Geistliche und das Materielle zu verbinden und hat das Leben nicht entzweit, ja, er hat sogar gesagt, wer nicht genießen könne, werde ungenießbar. Er hatte viel Humor und konnte Menschen bis ins hohe Alter, aber auch noch über seinen Tod hinaus begeistern. Immer wieder begegnet man Menschen, die erzählen, dass die Begegnung mit Pater Werenfried einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellte und alles verändert hat. Tausende fanden so den Weg zum Altar oder ins Kloster, andere wiederum entdeckten andere Wege, um Pater Werenfried in seinem Kampf für den Frieden und in seinem Engagement für die notleidende Kirche nachzufolgen. Zahlreiche Menschen werden auch jetzt noch von ihm angesprochen und inspiriert. |