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Russland 1992 Im Oktober bin ich mit einigen Mitarbeitern nach Moskau, Nowgorod und St. Petersburg gereist, um im Herzen des ehemaligen Sowjetreiches unsere Rosenkranzaktion zu lancieren. Sowohl der päpstliche Nuntius und der katholische Erzbischof Kondrusiewicz, als auch der orthodoxe Patriarch von Moskau, der Metropolit von St. Petersburg und der Eparch von Nowgorod haben uns gastfreundlich empfangen. Es ist uns gelungen, sie alle für unsere Pläne zu gewinnen. Zuerst habe ich in den wenigen katholischen Kirchen meinen Gebetsaufruf gemacht – auch in dem mit Brettern abgetrennten Teil eines verwüsteten Gotteshauses, der jeden Sonntag fünfmal mit Hunderten Gläubigen vollgepfropft ist. Aber auch in orthodoxen Kirchen, die nach 70jähriger Entweihung wieder für den Gottesdienst geöffnet sind, durfte ich predigen. Nach meinem Aufruf habe ich dort vor atemlos lauschenden russischen Gläubigen in meiner Muttersprache Mariens Lob gesungen, ihre heilige Ikone geküsst und ihren Beistand erfleht. Mit Gottes Hilfe ist es mir gelungen, den Vizerektor der Theologischen Akademie von Sagorsk (jetzt wieder Sergejew Posad genannt) von unseren lauteren Absichten zu überzeugen. So erhielt ich die Einladung, bald wiederzukommen und vor den Seminaristen zu sprechen! In der journalistischen Fakultät (3.000 Studenten) der Moskauer Universität unterbrach ein Professor seine Vorlesung, um mir das Wort zu geben und die Fragen der Studenten beantworten zu lassen. Mein Aufruf für die Rosenkranzaktion wurde ausgestrahlt von dem orthodoxen Radio „Sofia“ und von unserem Radio „Blagowest“, das täglich in der ganzen Russischen Republik und in einigen anderen Republiken auf Sendung ist. In der Bibliothek ausländischer Literatur in Moskau wurden uns Räume für eine Videothek und für ein Evangelisierungszentrum angeboten. In einem abgelegenen Dorf beteten wir in der Kirche und am Grab des verbannten und ermordeten orthodoxen Priesters Alexander Men, dessen Einfluss immer größer wird. Bereits vor vielen Jahren wurden seine Bücher mit unserer finanziellen Hilfe in Belgien gedruckt und heimlich in die Sowjetunion gebracht. Wir versprachen noch mehr Hilfe für diese orthodoxe Erneuerungsbewegung. Zutiefst gerührt betete ich für die Einheit der Kirche in den Kathedralen des Kremls und St. Petersburgs, in denen ich die gleiche überirdische Atmosphäre vorfand, wie vor anderthalb Jahren in der griechisch-katholischen St. Georgskathedrale von Lemberg, als ich den Oberhirten der Unierten Kirche bei seiner Heimkehr in die Ukraine begleitete. Wie lange noch wird das Unrecht von 1946 der Versöhnung zwischen den beiden Schwesterkirchen im Wege stehen? Im riesigen Inselkloster Valdai, irgendwo zwischen Moskau und St. Petersburg, wohin uns der sympathische Eparch von Nowgorod begleitete, fanden wir zwei Mönche und zwei Novizen, die mit einem Glauben, der Berge versetzt, ihre Zeit mit Gebet und Trümmeraufräumen verbringen. „Wir reparieren das Kloster und unsere Seelen“, sagte der Abt. (...) Am 13. Oktober, Fatimatag, haben wir auf dem Roten Platz in Moskau in beißender Kälte, während der Wachablösung vor dem Leninmausoleum, den Rosenkranz gebetet für die Bekehrung des materialistischen Westens, für den Sieg Christi in Russland und für die Versöhnung zwischen der orthodoxen und der katholischen Kirche. Obwohl ich am 17. Januar 1993 mein 80. Lebensjahr vollenden werde, habe ich mich auf dem Roten Platz nicht 80 Jahre alt, sondern viermal zwanzig Jahre jung gefühlt.
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