Pater Werenfried Zentrum

Als er vor zwei Jahren starb, ging eine Ära zu Ende. Werenfried van Straaten, Ordensmann, Gründer des internationalen Hilfswerkes „Kirche in Not“ und kompromissloser Visionär hat Geschichte geschrieben. Sein Charisma und seine Botschaft wirken weiter in den Menschen. Ihm heute wieder „begegnen“ zu können, hat sich das Pater-Werenfried-Zentrum in Königstein zum Ziel gesetzt. Ein Besuch könnte gefährlich werden. Denn Werenfried verstand sich auf Menschen und erobert ihre Herzen.

Das Zentrum umfasst vier Räume, die architektonisch und inhaltlich eine Gesamtheit bilden. Das Herzstück bildet das unberührt gebliebene Arbeitszimmer des Holländers.

Father Werenfried´s office which has been left unchangedDer Besucher betritt zunächst einen Gang. Ins Auge fällt sofort eine auf lichtgrauer Wand sich anregend und aufregend abhebende Installation aus sieben Elementen. Was sich als innere Linie durch die Ausstellung zieht, ist hier atmosphärisch über die Farbe angedeutet. Der Betrachter wird schon hier zum Reisenden, der quasi durch die Fenster des Zugabteils eine Landschaft aufnimmt. Für Details ist in verdichteter Bewegung wenig Raum, es geht um intuitive Wahrnehmung.

Mauerdurchbrüche im Gang geben auch schon erste Blicke frei auf die inneren Ausstellungsräume. Großformatige Foto- und Texttafeln erzählen von den Lebensstationen eines mutigen Kämpfers für die Sache Gottes. In reichlichen Zitaten meldet er sich persönlich zu Wort. Eine Zeitleiste veranschaulicht den welt- und kirchengeschichtlichen Kontext seines Wirkens: Weltkrieg, Konzil, Eiserner Vorhang, 68-er Revolution, Terrorismus, Mauerfall und der Einsturz der Twin Towers.

Das sich anschließende Arbeitszimmer Werenfrieds erweckt den Eindruck, als hätte er nur mal eben den Raum verlassen. Die Brille liegt noch auf dem Schreibtisch. Die Zeit ist stehen geblieben. Der Besucher mag sich vorstellen, wie der große Seelsorger hier gearbeitet hat, Menschen begegnet ist, ihre Not angehört, sie aber auch zu einem guten Tröpfchen eingeladen hat.

Seine Menschlichkeit und seinen Humor dokumentiert eine Sammlung von Skizzen, die er zum Zeitvertreib bei Besprechungen anfertigte. Ebenso sehenswert ist Ritter Kuno, der alle Auszeichnungen und Orden des bescheidenen Speckpaters tragen musste.

Mit einer Vitrine aber können weder die lesenswerten informativen Tafeln noch die interessanten Ausstellungsobjekte konkurrieren. Ihr Inhalt ist banal, ihre Aura ist grandios. Ein alter Hut fesselt die Blicke. Arme und Reiche, Fromme und Freigeister haben viele Jahrzehnte ihr Scherflein hinein gelegt. Hier zeigte sich, ob die Nächstenliebe platonisch oder ernst gemeint war. Der in unmittelbarer Nähe ausgestellte Jahresbericht dokumentiert eindrucksvoll die weltweiten Projekte, welche das „Echo der Liebe“ möglich macht. Sie zeigen übrigens steigende Tendenz nach dem Tod des begnadeten Predigers. Der Besucher sollte wissen, dass der alte Hut nur noch Scheine aushält. Ein Schlitz in der Vitrine macht es möglich.

Irene del Valle