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11. September 2001
| Abtreibung | Hilfe für die Russisch-Orthodoxe Kirche


Karfreitag des 20. Jahrhundert

Als Jesus am Kreuz starb, wurde es dunkel, die Erde bebte und der Vorhang des Tempels riss entzwei.

Seither sind viele gekreuzigt worden. Unzählige Male haben sich die Mächte der Finsternis und die Fürsten dieser Welt gegen Gott und seinen Gesalbten verschworen. Herodes, Beria, Kaiphas, Hitler, Pilatus, Stalin, Chruschtschow... Ihre Zeit ist vorbei, und wie Spreu im Winde wurden sie hinweggefegt, als das Maß ihrer Bosheit voll war.

Aber nach Pilatus kam Nero, nach Kaiphas kam Alexis und nach Chruschtschow kam Mao... Deshalb wird es immer wieder Karfreitag, und tausendfach bleibt das Kreuz stehen über Schafotten und Gaskammern und über den Massengräbern derer, die durch einen Genickschuss starben.

Karfreitag und das Kreuz sind geblieben: Und auch der Vorhang ist geblieben, um den Blutdurst der Mörder zu verbergen. Nein, nennt sie nicht Marschall oder Exzellenz, wenn sie euch lächelnd und in Handschuhen besuchen. Denn in ihren Handschuhen steckt die Kralle des Würgers, und hinter ihrem Lächeln planen sie Mord. Ihre Hände sind mit Jesu Blut besudelt. Nennt sie Mörder! (...)

Der Karfreitag bleibt und damit die Todesangst, die Verspottung, der Hass, die Undankbarkeit, das menschliche Versagen, das unsagbare Leid, der bittere Kreuzweg, die Kreuzigung und der schmähliche Tod unseres Herrn Jesu Christi. Jetzt nicht mehr in seinem eigenen gesegneten Leib, sondern in denen, die durch die Gnade an seinem Leben teilhaben und seine Glieder sind.

Auch der Vorhang bleibt. Und dahinter trägt Christus sein Kreuz aufs neue nach Golgotha. Mutterseelenallein wird er vorwärtsgestoßen und zur Hinrichtungsstätte geschleppt. Unendlich müde bricht er unter dem geistigen und körperlichen Druck zusammen. Seine Vernunft und seinen Willen haben sie mit teuflischen Kunstgriffen und geheimen Drogen zerstört. Zu einem Narren haben sie ihn gemacht, der mechanisch wiederholt, was ihm eingetrichtert wird. Hier stolpert kein Mensch mehr, hier kriecht ein Wurm den Kalvarienberg hinan. Keine Freunde, die ihm zur Seite stehen: Sie sind nach Sibirien deportiert oder in den Urangebieten dienstverpflichtet... Jetzt werden ihm die Kleider vom Leib gerissen. Jetzt dröhnen die Hammerschläge durch alle Fasern seines gepeinigten Leibes. Jetzt hängt er am Kreuz. „Mich dürstet“, sagt er, und „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Karfreitag bleibt, blutiger Karfreitag für die Kirche in Not. Aber dann bleibt auch die Aufgabe, die einst erfüllt wurde vom tröstenden Engel am Ölberg, von den weinenden Frauen Jerusalems, von Veronika, die Jesu Antlitz abwischte, von Simon, der sein Kreuz tragen half, und von seiner Mutter, die bei ihm blieb, bis alles vorbei war.

Diesen Dienst des Erbarmens durch einen Blick des Verständnisses, durch eine Geste der Ermutigung, durch einen Bissen Brot oder einen erfrischenden Trunk, durch Öl und Wein in den brennenden Wunden – diesen hohen Dienst der Liebe hinter dem Eisernen Vorhang fortzusetzen, das ist unsere Ehrenschuld gegenüber der Kirche in Not, die Christus ist.