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Chile 1996

Hoch in den Anden besuchten wir zwei Karmeliterinnenklöster, die mit Eurer Hilfe entstanden sind. Eines davon ist das in Auco neuerbaute Monasterio des Espíritu Santo, dem Schwester Teresa de los Andes angehörte, die 1993 als erste chilenische Heilige zur Ehre der Altäre erhoben wurde.

Sie starb am 12. April 1920, drei Monate vor ihrem zwanzigsten Geburtstag und elf Monate nach ihrem Eintritt ins Kloster. Auf ihrem Sterbebett, noch Novizin, durfte sie die Gelübde ablegen. Sie war ein bildschönes Mädchen aus wohlhabender Familie. Eine reine Lilie, an der die Erbsünde anscheinend spurlos vorbeigegangen war, eine mystische Seele des Gebetes, zu jedem Opfer bereit und gut zu allen. Ein Naturkind, das auf dem Pferd durch die Felder galoppierte, aber von zartem Kindesalter an verliebt war in Jesus und das unstillbare Verlangen hatte, als seine Braut zu leben und zu sterben. Sie wollte Salz der Erde sein, das sich in Schweigen und Verborgenheit auflöst, damit die Welt gereinigt und geheiligt werde. Sie schrieb: „Ich will ans Kreuz genagelt sein und dem Leiden in meinem Leben Raum geben, um zu büßen für meine eigene Schuld, für die Sünder und für die Heiligung der Priester.“

In der Krypta des mit unserer Hilfe errichteten Sanktuariums betete ich an ihrem Grab für Euch und für unser Werk. Jeden Monat kommen 50.000 Pilger hierher mit ihren Nöten, Schwachheiten, Sünden und ihrem guten Willen, der auch für viele von uns die letzte Rettungsplanke zum Himmel ist. Bischof Manuel Camilo Vial erzählte uns entlang der wunderschönen Wandgemälde das Leben der Teresa de los Andes und brachte uns dann ins Kloster. Es ist eine der mehr als 200 kontemplativen Gebetsburgen, die weltweit mit Eurer Hilfe erbaut wurden oder unterstützt werden. Auf den Anden, die hier bis zu 7.000 Meter hoch sind, glänzte der Schnee.

Die frohe Schar der überwiegend jungen Schwestern und Novizinnen hörte gespannt zu, als ich sie mit diesem Schnee verglich. Reiner Schnee hoch auf den Bergen in der Sonne von Gottes Liebe. Schnee, der schmilzt, zergeht und scheinbar nutzlos ist. Aber seht! Schmale Bächlein stürzen herab, sie werden breiter, schließen sich zu wilden Strömen zusammen, werden zu Wasserfällen, die Kraftwerke, Maschinen, Fabriken und ganze Industrien in Gang setzen. Sie zaubern Lichtmeere hervor und strömen weiter, um dürre Ebenen in fruchtbare Äcker zu verwandeln, um eine graue Welt mit Bäumen, Pflanzen, Getreide, Blumen, Obst und Schönheit zu überdecken und Schiffsladungen mit Nahrung und allem, was sonst zu einem menschenwürdigen Leben nötig ist, in ferne Länder zu tragen...

Dies ist die Essenz jedes kontemplativen Lebens, jedes still bei Gott Seins, jedes bereitwilligen Hörens auf Gottes Wort. Nicht nur für Teresita und ihre Mitschwestern, sondern für uns alle. Denn so spricht der Herr: „Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt. Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe“ (Jes 55, 10-11).